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# Handbetrieb

## 6.3 Handbetrieb

Der **Handbetrieb** ist der Betriebsmodus, in dem der Bediener gezielt Einfluss auf das Modell nimmt, um **definierte Zustände herzustellen**.

Dabei gilt ein zentrales Prinzip:

> **Im Handbetrieb arbeitet der Bediener am Modell –**\
> **nicht an der Maschine vorbei.**

Der Handbetrieb ist **keine Ausnahme von der Logik**,\
sondern eine **andere Einflussquelle auf dasselbe Modell**.

***

### Zweck des Handbetriebs

Der Handbetrieb dient dazu:

* definierte Zustände gezielt zu erreichen
* Maschinen sicher zu positionieren
* Inbetriebnahme und Justage zu ermöglichen
* Abweichungen kontrolliert zu beheben

Er dient **nicht** dazu:

* Abläufe zu umgehen
* Logik zu testen
* Sicherheit zu reduzieren
* Bewegungen zu erzwingen

> **Handbetrieb ist kontrolliertes Arbeiten,**\
> **kein Debug-Modus.**

***

### Gemeinsamer Zustandsraum

Auch im Handbetrieb gilt:

* jede Sequence befindet sich in **genau einem Zustand**
* dieser Zustand definiert Erwartungen (System-Layer)
* Überwachung bleibt vollständig aktiv

Der Unterschied zur Automatik liegt **nicht im Modell**,\
sondern darin, **wer die Veränderung herbeiführt**.

> **Der Zustand bleibt gültig –**\
> **nur die Quelle der Aktion ändert sich.**

***

### Arbeiten im Handbetrieb

Im Handbetrieb kann der Bediener:

* Zustände gezielt auswählen
* Zonen manuell beeinflussen
* Zustandsbedingungen Schritt für Schritt erfüllen

Dabei gilt:

* Zustände werden **nicht übersprungen**
* Übergänge erfolgen **nicht automatisch**
* jede Veränderung wird überwacht

Der Ablauf:

1. Ein Zustand ist aktiv
2. Das Modell zeigt, welche Bedingungen erfüllt sind
3. Abweichungen werden sichtbar
4. Der Bediener wirkt gezielt auf betroffene Zonen
5. Der Zustand wird erfüllt

***

### Visuelle Rückmeldung im Handbetrieb

Der Handbetrieb lebt von klarer Rückmeldung.

Zonen zeigen ihren Status unmittelbar:

* **Blau**\
  → die Zone erfüllt die Erwartung des aktuellen Zustands
* **Rot**\
  → die Zone weicht vom erwarteten Verhalten ab

Damit erkennt der Bediener jederzeit:

* welche Zone relevant ist
* warum ein Zustand nicht erfüllt ist
* wo gezielt eingegriffen werden muss

> **Der Handbetrieb zeigt nicht „was man drücken soll“,**\
> **sondern „was fehlt“.**

***

### Überwachung im Handbetrieb

Alle Überwachungsmechanismen bleiben aktiv:

* Interlocks (`i`) schützen den Ablauf
* CMZ schützt die Systemintegrität
* Zustandslogik bleibt gültig

Es gibt:

* keinen abgeschwächten Handbetrieb
* keine tolerierten Abweichungen
* keine temporären Freigaben

> **Handbetrieb ist nicht weniger streng –**\
> **sondern kontrollierter.**

***

### Abgrenzung zum Automatikbetrieb

Zur Klarstellung:

* **Automatikbetrieb**
  * System treibt den Ablauf
  * Zustandsübergänge erfolgen automatisch
* **Handbetrieb**
  * Bediener beeinflusst Zonen
  * Zustände werden manuell erfüllt
  * Übergänge erfolgen bewusst

Beide Betriebsarten:

* nutzen dasselbe Modell
* unterliegen derselben Überwachung
* erzeugen dieselbe Diagnose

***

### Typische Fehlannahmen zum Handbetrieb

Häufige Missverständnisse sind:

* ❌ „Im Handbetrieb gelten andere Regeln“
* ❌ „Handbetrieb ist Debugging“
* ❌ „Man kann Zustände überspringen“
* ❌ „Handbetrieb ist sicherheitsärmer“

Alle diese Annahmen sind falsch.

> **Handbetrieb ist der kontrollierteste Betriebsmodus,**\
> **weil jede Abweichung sichtbar wird.**

***

### Zusammenfassung

Der Handbetrieb:

* ermöglicht gezieltes Arbeiten am Modell
* macht Abweichungen transparent
* bleibt vollständig überwacht
* verändert nicht die Logik

> **Handbetrieb bedeutet:**\
> **Der Mensch arbeitet im Modell –**\
> **nicht außerhalb davon.**


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