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# Automatikbetrieb

## 6.2 Automatikbetrieb

Der **Automatikbetrieb** ist der Betriebsmodus, in dem das System den modellierten Ablauf selbstständig ausführt.

Dabei gilt ein zentrales Prinzip:

> **Im Automatikbetrieb treibt das System den Ablauf –**\
> **nicht der Bediener.**

Der Automatikbetrieb ist **keine eigene Logik**,\
sondern eine **systemgetriebene Ausführung desselben Modells**.

***

### Voraussetzungen für den Automatikbetrieb

Damit eine Sequence im Automatikbetrieb laufen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

* die Hardware-Zone ist auf **Automatikbetrieb** geschaltet
* eine gültige **Automatikfreigabe** liegt vor
* keine Interlock- (`i`) Abweichung ist aktiv
* keine CMZ-Abweichung ist aktiv

Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, darf der Ablauf automatisch fortgesetzt werden.

***

### Ablauf im Automatikbetrieb

Im Automatikbetrieb gilt:

* die Sequence befindet sich in **genau einem Zustand**
* dieser Zustand definiert erwartetes Verhalten (System-Layer)
* das System bewertet permanent:
  * ob Erwartungen erfüllt sind
  * ob zwingende Bedingungen eingehalten werden

Der Ablauf erfolgt deterministisch:

1. Ein Zustand wird aktiv
2. `S`-Zonen definieren erwartetes Verhalten
3. Das System wartet auf Erfüllung
4. Der Zustand gilt als erfüllt
5. Der Übergang zum nächsten Zustand erfolgt automatisch

> **Der Ablauf reagiert nicht auf Ereignisse,**\
> **sondern auf den aktuellen Modellzustand.**

***

### Verhalten bei Abweichungen

#### Interlock-Abweichung (`i`)

Wird eine als `i` definierte Bedingung verletzt:

* die Automatikfreigabe wird **sofort entzogen**
* die betroffene Sequence stoppt
* der aktuelle Zustand bleibt erhalten
* eine eindeutige Diagnose wird erzeugt

Es gibt:

* kein Weiterlaufen
* keinen Übergang
* keine Interpretation

***

#### CMZ-Abweichung

Wird eine CMZ verletzt:

* die Reaktion erfolgt **hierarchisch**:
  * Sequence-Ebene
  * Hardware-Zonen-Ebene
  * Plant-Ebene
* alle betroffenen Sequences werden gestoppt
* **keine Bewegung ist mehr möglich**

CMZ-Abweichungen wirken:

* zustandsunabhängig
* betriebsartenunabhängig

***

### Diagnose im Automatikbetrieb

Diagnose entsteht im Automatikbetrieb **automatisch** aus dem Modell.

Eine Diagnose ist eindeutig zuordenbar zu:

* einer Sequence
* einem Zustand
* einer Zone
* einer Erwartung oder Bedingung

Es gibt:

* keine Sammelmeldungen
* keine manuell programmierten Fehlertexte
* keine interpretationsabhängigen Meldungen

> **Die Diagnose erklärt,**\
> **warum der Ablauf nicht weitergeht.**

***

### Abgrenzung zum Handbetrieb

Zur Klarstellung:

* Automatikbetrieb
  * System treibt den Ablauf
  * Übergänge erfolgen automatisch
  * Bediener greift nicht in den Ablauf ein
* Handbetrieb
  * Bediener beeinflusst Zonen
  * Zustände werden gezielt erfüllt
  * Ablauf wird nicht automatisch fortgesetzt

Beide Betriebsarten:

* nutzen dasselbe Modell
* unterliegen derselben Überwachung
* erzeugen dieselbe Diagnose

***

### Typische Fehlannahmen zum Automatikbetrieb

Häufige Missverständnisse sind:

* ❌ „Automatik ist ein schnelleres Handfahren“
* ❌ „Automatik überspringt Zustände“
* ❌ „Automatik ignoriert Abweichungen kurzzeitig“
* ❌ „Automatik ist toleranter als Handbetrieb“

Alle diese Annahmen sind falsch.

> **Automatik ist der strengste Betriebsmodus,**\
> **weil er vollständig modellgetrieben ist.**

***

### Zusammenfassung

Der Automatikbetrieb:

* führt den modellierten Ablauf selbstständig aus
* reagiert deterministisch auf Abweichungen
* erzeugt automatische, eindeutige Diagnose
* kennt keine Sonderfälle oder Abkürzungen

> **Automatik bedeutet:**\
> **Das Modell hat die Kontrolle.**


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