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# Beispiel: PTF für Starttaste und Zylinder

Dieses Beispiel zeigt, wie die **Selmo-Methode (PTF)** angewendet wird, bevor ein Ablauf modelliert oder programmiert wird.

Das Beispiel ist bewusst einfach:

* eine **Starttaste**
* ein **Zylinder mit zwei Endlagen**

Ziel ist nicht die Modellierung, sondern das **strukturierte Denken vor dem Modell**.

***

### P – Prozess

#### Fachlicher Prozess

Aus fachlicher Sicht soll Folgendes passieren:

1. Der Bediener betätigt die Starttaste
2. Der Zylinder fährt aus
3. Der Zylinder erreicht seine vordere Endlage
4. Der Vorgang ist abgeschlossen

Der Prozess beschreibt:

* **was** passiert
* **in welcher Reihenfolge**
* **ohne technische Details**

Er beschreibt **nicht**:

* wie der Zylinder angesteuert wird
* welche Sensoren verwendet werden
* wie lange die Bewegung dauert

> **Prozess = fachlicher Ablauf, unabhängig von Technik.**

***

#### Prozessgrenzen

Zum Prozess gehört:

* Startanforderung durch Bediener
* Bewegung des Zylinders
* Erreichen der Zielposition

Nicht zum Prozess gehört:

* Energieversorgung
* Not-Halt
* mechanische Auslegung
* Wartung

***

### T – Technologie

#### Eingesetzte Technologie

Für den Prozess wird folgende Technologie eingesetzt:

* ein pneumatischer Zylinder
* ein Magnetventil zur Ansteuerung
* zwei Endlagensensoren:
  * eingefahren
  * ausgefahren
* eine elektrische Starttaste

***

#### Technologische Eigenschaften und Randbedingungen

Aus der Technologie ergeben sich folgende Fakten:

* der Zylinder kann **nicht gleichzeitig** eingefahren und ausgefahren sein
* der Zylinder benötigt Energie (Druckluft)
* die Bewegung ist **nicht instantan**
* die Endlagensensoren liefern binäre Signale
* die Starttaste ist ein kurzzeitiges Signal

Diese Eigenschaften sind **nicht verhandelbar**, sondern physikalisch gegeben.

> **Technologie beschreibt, was physikalisch möglich ist.**

***

#### Technologische Risiken

* Ventil defekt → Zylinder bewegt sich nicht
* Sensor defekt → Endlage wird falsch gemeldet
* Druckluft fehlt → Bewegung bleibt aus

Diese Risiken müssen später überwacht werden, werden aber **hier noch nicht modelliert**.

***

### F – Funktion

#### Abgeleitete Funktionen

Aus Prozess **und** Technologie lassen sich folgende Funktionen formulieren:

1. **Startanforderung erfassen**\
   Die Bewegung darf nur nach einer bewussten Startanforderung erfolgen.
2. **Zylinder ausfahren**\
   Nach gültiger Startanforderung soll der Zylinder ausfahren.
3. **Endlage überwachen**\
   Die Bewegung gilt erst als abgeschlossen, wenn die vordere Endlage erreicht ist.
4. **Unmögliche Zustände erkennen**\
   Die beiden Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.

***

#### Funktionen als überprüfbare Aussagen

Wichtig: Funktionen sind **keine Zustände** und **keine Implementierung**.

Beispiele korrekt formulierter Funktionen:

* „Der Zylinder darf nur ausfahren, wenn eine Startanforderung vorliegt.“
* „Der Zylinder gilt als ausgefahren, wenn die vordere Endlage aktiv ist.“
* „Beide Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.“

Diese Aussagen sind:

* überprüfbar
* eindeutig
* technologisch begründet

***

### Ergebnis des PTF

Nach Abschluss des PTF ist klar:

* **welcher Ablauf** modelliert werden soll
* **welche Technik** beteiligt ist
* **welche Funktionen zwingend notwendig sind**

Damit ist die Voraussetzung geschaffen für:

* sinnvolle Zustände
* klare Sequences
* korrekte Zonen
* saubere Überwachung

> **Die Modellierung beginnt erst jetzt.**

***

### Übergang zum Selmo-Modell

Erst auf Basis dieses PTF werden definiert:

* Zustände (z. B. „Warten auf Start“, „Zylinder fährt“, „Zylinder ausgefahren“)
* Zonen (Starttaste, Zylinder)
* Überwachung (Endlage, Pair-Check)
* Ablauf und Verhalten

> **PTF entscheidet,&#x20;*****was*****&#x20;modelliert wird.**\
> **Selmo entscheidet,&#x20;*****wie*****&#x20;es formal beschrieben wird.**


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